Das Ostergrab

in der Pfarrkirche

  in  Häselgehr

Das neu restaurierte Ostergrab bleibt bis zum Weißen Sonntag in Häselgehr aufgestellt.

Über einen Besuch, um es zu anzuschauen, freuen wir uns sehr. Wer einen Beitrag zur vollständigen Bezahlung

 leisten kann, möge das Konto 214 072 bei der Raiba-Oberlechtal BLZ 36220 benützen. Vergelts Gott.

Das Ostergrab von der Empore aus gesehen Zwei weiße Engel verkündigen die Auferstehung
Mesner Franz Kohler freut sich über die gelungene Restaurierung. Der Blutschwitzende Heiland ist das Gründonnerstagmotiv.
Das Grab am Ostersonntag Das Grab am Karsamstag
Die Kreuzaufrichtung am Bogen Die Spitze des Grabes mit dem Deckenbild.

Das Heilige Grab in der Pfarrkirche von Häselgehr - ein wieder entdecktes Werk des Lechtaler Malers Josef Anton Köpfle

Dem Bedürfnis der heimischen Bevölkerung, die Passion Jesu möglichst authentisch nachvollziehen und miterleben zu können, verdanken wir die Entstehung der "Heiligen Gräber", die seit dem Mittelalter als unbewegliches oder bewegliches Sepulchrum entstanden. Die beweglichen, nur temporär in Kirchen und Kapellen aufgestellten Heiligen Gräber bestanden im Mittelalter zunächst lediglich aus einer Grabliegerfigur und einer schreinartigen Truhe und erhielten erst im Barock die heute bekannte Form mit in der Tiefe gestaffelten Kulissenbögen. Entscheidende Impulse für die künstlerische Gestaltung der Heiligen Gräber im späten 17. und 18. Jahrhundert vermittelte der Tiroler Jesuitenfrater Andrea Pozzo aus Trient (1642-1709), der ein weit verbreitetes Lehrbuch über die Pespektive verfasste und damit gleichsam einen Leitfaden für die Anfertigung von Heilig-Grab-Gerüsten hinsichtlich Proportion, baukünstlerischer Ordnung, Dekoration und Ikonographie geliefert hat. Nachdem zahlreiche Barockheiliggräber den josefinischen Reformen und der bayerischen Herrschaft (1805-1814) zum Opfer gefallen waren, kam es im 19. Jahrhundert zu einem erneuten Aufschwung, der erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ein jähes Ende fand. Seit Beginn der 80-ziger Jahre des 20. Jahrhunderts ist in Tirol eine wahre Renaissance der Heiligen Gräber festzustellen, die sich in den folgenden Jahren in zahlreichen Wiederentdeckungen und Restaurierungen der kunstvollen Kulissenaufbauten dokumentierte. Derzeit sind im Bundesland Tirol - abgesehen von den fast in jeder Kirche zu findenden Grabnischen mit Grabliegerfigur - 110 mehr oder weniger vollständig erhaltene Ostergräber erhalten, die entweder alljährlich oder in einem bestimmten Jahresrhythmus aufgestellt und in die Feier der Osterliturgie mit einbezogen werden.

Auch das stilistisch dem Maler Josef Anton Köpfle zugeschriebene, laut Chronogramm 1828 entstandene, in Temperatechnik auf Holz gemalte klassizistische Ostergrab der Pfarrkirche von Häselgehr wurde zuletzt 1956 aufgestellt und war vor allem der jüngeren Generation nur mehr aus Erzählungen bekannt. Durch das große Engagement der Dorfbevölkerung, vor allem des Altbürgermeisters Franz Kohler, war es möglich, das Ostergrab zu restaurieren und gleichzeitig für eine fachgerechte Lagerung desselben einen geeigneten Platz unter dem Emporenaufgang zu finden. Es besteht aus vier in der Tiefe gestaffelten Kulissenbögen sowie einer abschließenden Rückwand und nimmt die gesamte Breite des Presbyteriums ein. Die Kulissenbögen gleichen sich in ihrer Konzeption und bestehen aus flankierenden Rechteckpfeilern und einem dreiteilig gegliederten Rundbogenschluss. Der erste Bogen wird beidseitig von Opfergangsportalen mit Dreiecksgiebelverdachungen und kannelierter Pilasterrahmung flankiert, die den Blick in einen Kolonadengang freigeben und durch Ziervasen mit Blütenbouquets bekrönt, die von einem Puttenpaar gehalten werden. Die rahmenden Rechteckpfeiler weisen zwei Rundbogennischen auf, in denen die Schmerzensmutter und der Apostel Johannes dargestellt sind, die drei Felder des abschließenden Rundbogens zeigen in Grisailletechnik gemalte szenische Darstellung aus der Passion Christi (Kreuzaufrichtung, Ecce Homo, Kreuztragung). Zudem befinden sich beidseitig der Bogenöffnung auch die beiden Grabwächter, die traditionsgemäß als römische Legionäre erscheinen. Die bekrönende Kartusche gibt, verschlüsselt in einem Chronogramm, das Jahr der Entstehung des Ostergrabes an („IVCIVLI / DILLVMII / LIIV" = 1828), beidseitig finden sich auf die Passion Bezug nehmende Symbole und Leidenswerkzeuge. Im zweiten Bogen ist die Verleugnung Christi durch Petrus dargestellt (auf der linken Seite erscheint der Apostel, auf der rechten stehen die Magd und ein Soldat am Feuer) den dritten schmücken zwei Ziervasen, der vierte, in den auch die Grabesnische integriert ist, gibt den Blick auf die Schädelstätte von Golgotha und den Garten Gethsemane frei, der dreiteilig gegliederte Bogenschluss zeigt in den kassetierten Feldern jeweils einfache Rosetten.

Zur Gründonnerstagsliturgie wird eine mit einer gestärkten Leinwand bekleidete Figur des blutschwitzenden Christus aufgestellt (der zugehörige Engel fehlt), am Karfreitag liegt der Leichnam Christi im Grab, nach der Auferstehung sind zwei Engel in weißen Gewändern am leeren Grab und eine vollplastisch geschnitzte spätbarocke Statue des Auferstandenen zu sehen.

Der Schöpfer des Häselgehrer Ostergrabes, der aus Höfen im Lechtal gebürtige Maler Josef Anton Köpfle (1757-1843) war zunächst Schüler des Reuttener Malers Franz Anton Zeiller, bevor er in den Jahren 1787-1789 an der Akademie in Augsburg studierte. Stilistisch dem Klassizismus verpflichtet, entwickelte Köpfle eine besondere Vorliebe für perspektivische Architekturmalerei und freskierte Bauernhäuser in Holzgau, Elbigenalp und Höfen, schuf Heilige Gräber für die Kirchen von Bichlbach, Heiterwang und Wängle und malte auch zahlreiche Altarbilder für Außerferner Sakralbauten.

Dr. Reinhard Rampold

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bearbeitet von OW am 11.4.2006